Dienstag, 13. Oktober 2015

BC-Buch gefunden

von Kirsten

Im öffentlichen Bücherschrank Herne ein Bookcrossing-Buch gefunden: Edgar Wallace, Das Haus an der Themse.  Ich bin ja großer Fan der alten Edgar-Wallace-Filme, wenngleich ich von den Büchern kaum welche gelesen habe. Die öffentlichen Bücherschränke sind eine geniale Einrichtung.

An dem Schrank in Herne hängt ein Zettel, der mich anweist, keine alten Bildbände hinein zu stellen, nur aktuelle Bücher. An einem öffentlichen Bücherregal in Monheim hing ein Zettel mit der Anordnung "Hier nur Kochbücher".

Die öffentlichen Bücherschränke gehen auf die Idee der Bookcrosser zurück: Bücher nicht zu Hause verstauben lassen, sondern weitergeben. Die Anweisungen, wie die Bücherschränke zu benutzen sind, finde ich befremdlich. Da übergibt man der Allgemeinheit etwas, dass allen nutzen soll und nichts kostet und Spaß macht, und dann denkt sich irgendein Mister Wichtig eine skurrile Vorschrift aus. Wieso muss man mir vorschreiben, wie ich mit diesem Gemsichaftsbesitz umzugehen habe?

Erfreulich ist aber, dass die Buchjäger und -verschenker die Vorschriften ignorieren. In dem "Kochbuch-Bücherschrank" standen Romane und Comics und Bildbände. Klasse! Vor dem "Alte-Bildbände-nicht-erwünscht-Bücherschrank" führte ich vor 2 Tagen ein Gespräch, mit einem Mann, der nach Büchern Ausschau hielt. "Sind Sie ein Bücherwurm?", fragt er mich. "Sie sehen jedenfalls aus wie ein Bücherwurm." "Ja bin ich", gebe ich Auskunft. Und er fährt fort: "Ich habe hier neulich ein fünfbändiges Lexikon entdeckt; das suche ich gerade." "Ja das war von mir", sage ich, "aber es scheint schon weg zu sein." "Eigentlich liest ja niemand mehr Lexika. Warum haben Sie denn sowas Schönes verschenkt?" "Naja, ich habe noch mehr davon zu Hause, so viele kann ich nicht lesen." Das Gespräch ging noch ein Weilchen hin und her. Jedenfalls werden auch in Zeiten von Wikipedia und Google-Suche alte Lexika gelesen. Der Bücherschrank ist voll von alten und uralten Büchern. Neulich habe ich ein Brave New World aus dem Jahr 1968 entdeckt und mitgenommen. Ich habe Harper Lee, How to kill a Mockingbird, eingepackt, gelesen und mitsamt dem alten Film (Gregory Peck in der Rolle des Rechtsanwalts Atticus Finch) zum Geburtstag verschenkt.

Also, ihr kauzigen, übereifrigen Bücherschrank-Beamten, sagt uns nicht, wie wir die Sache mit den Büchern handhaben sollen. Wir Bücherwürmer haben Jahrhundete altes Spezialwissen über die Funktionsweise des internationalen Bücherverschenk-Marktes, und komische Vorschriften bestaunen wir in Vollmondnächten, um uns darüber in geheimen Zirkeln zu belustigen.



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